Der Immobilienmarkt auf Mallorca

Die Immobilienmärkte auf Mallorca und Ibiza sind wieder in Schwung gekommen. Preise für Fincas ziehen kräftig an. Die meisten Käufer kommen aus Skandinavien, Großbritannien und Deutschland.

Krise war gestern und vor allem auf dem Festland. Auf den Balearen ist der Immobilienmarkt längst wieder in Schwung gekommen. Verkaufsschilder findet man allenfalls an großen Wohnblöcken. Attraktive Fincas und Villen in guter Lage sind kaum zu haben, und die Preise ziehen kräftig an. So sind im vergangenen Jahr die Verkaufszahlen von Immobilien auf Mallorca, Ibiza und Menorca um 18,5 Prozent gestiegen, berichtet das Instituto Nacional de Estatistica.

Damit heben sich Mallorca und die Nachbarinseln deutlich von der allgemeinen Marktsituation im gesamten Land ab. Zum ersten Mal seit vier Jahren waren die Verkaufszahlen für Immobilien in ganz Spanien allerdings wieder gestiegen, und zwar um 2,2 Prozent.

Insgesamt 9281 Immobilienverkäufe haben die Notare auf Mallorca, Ibiza und Menorca im vergangenen Jahr beurkundet. Damit wurden 1450 Immobilien mehr als 2013 verkauft. Der Ausländeranteil bei den Käufern ist ungebrochen hoch. Einer großen Nachfrage steht immer wieder ein ausreichendes Angebot gegenüber, weil mehr neue Projekte in Angriff genommen werden. Allein im Internet werden derzeit rund 4000 Immobilien auf Mallorca offeriert. Zehn Prozent davon seien Luxusimmobilien. Knapp die Hälfte der angebotenen Immobilien verfügt über eine gehobene bis luxuriöse Ausstattung.

In der Inselhauptstadt Palma und im Südwesten werden die höchsten Preise für Wohnungen und Grundstücke gefordert. Die Quadratmeterpreise in den Regionen Südwest, Nordwest sowie im Raum Palma liegen bis zu einem Drittel über dem Inseldurchschnitt, den die Wissenschaftler mit 3856 Euro je Quadratmeter ermittelt haben. Von West nach Ost fallen die Preise allerdings. Die günstigste Region Mallorcas ist der Süden – hier bewegen sich die Angebote im Schnitt bei 2950 Euro je Quadratmeter.

Freie Sicht aufs Meer ist deutlich teurer

Für Investoren sind besonders die Aufschläge für Meerblick interessant. Freie Sicht auf das Mittelmeer kostet auf Mallorca im Schnitt 23 Prozent mehr. Je begrenzter das Angebot in diesem Segment, desto höher der Aufschlag. Im Nordwesten beträgt der Aufpreis für Immobilien mit Meerblick sogar 53 Prozent, im Südwesten sind es 46 Prozent. Geht es um die Qualität und Ausstattung der Immobilien, so schneidet der Nordosten heute besser ab. Bei 14 Prozent liegt der Anteil der Luxusobjekte dort. Der beliebte Südwesten Mallorcas kommt lediglich auf einen Anteil anLuxusimmobilien von elf Prozent.

Gesucht werden Penthouses und Apartments mit Balkon oder Terrasse sowie mit Blick auf den Yachthafen oder die Altstadt. In der exklusiven Wohngegend Son Vida verzeichnete man ein im Vorjahresvergleich 25 Prozent höheres Transaktionsvolumen. Der durchschnittliche Kaufpreis lag hier bei drei Millionen Euro. In dieser Region sind derzeit auch Projektentwickler sehr aktiv. Begehrt sind Grundstücke in Premiumlagen. An der Westküste von Mallorca dominieren britische Käufer den Markt. Interessenten ziehe es vor allem nach Deià, Sóller, Puerto Sóller, Valldemossa und Fornalutx. Der Durchschnittspreis einer Immobilie lag in dieser Region im vergangenen Jahr bei 1,27 Millionen Euro. In der Inselmitte und im Süden registrierten die Vermittler ebenfalls eine verstärkte Nachfrage nach Baugrundstücken.

Aufenthaltsgenehmigung für Immobilienkauf

Kunden aus dem gesamten deutschsprachigen Raum und Skandinavien sind hier die größten Käufergruppen. Auch aus den USA und Südamerika kommen Interessenten. Ein Grund für das gestiegene Interesse aus Übersee dürfte die „Golden-Visa“-Initiative der spanischen Regierung sein. Sie erleichtert Immobilienkäufern aus nicht EU-Ländern den Erhalt einer dauerhaften Aufenthaltsgenehmigung. Im Norden der Insel stellte man wiederum ein gestiegenes Kaufinteresse von Kunden aus Großbritannien fest. Die Preise für Wohnungen entwickeln sich hier stabil, während für sehr hochwertige ländlich gelegene Häuser leichte Preisanstiege verzeichnet wurden. Insbesondere Alcúdia und Bonaire sind beliebt. Das Interesse gilt für Apartments ab 300.000 Euro bis hin zu sehr exklusiven Villen im zweistelligen Millionenbereich. Im Nordosten suchen Käufer vor allem Immobilien entlang der Küste im Preissegment zwischen zwei und vier Millionen. Im Südosten konzentriert sich die Nachfrage vor allem auf die Region um Santanyí und hier auf Anwesen zwischen 500.000 und zwei Millionen Euro. Darüber hinaus gab es ein starkes Kaufinteresse an Liegenschaften, die an Feriengäste vermietet werden können.

Käufer aus Deutschland dominieren weiterhin den Markt. Aufgrund der Stärke des Britischen Pfunds gegenüber dem Euro hat die Nachfrage aus Großbritannien merklich zugenommen. Zudem erhöht sich der Anteil an Interessenten aus Skandinavien. Sie machen bereits rund 20 Prozent der Käufer aus. Neben Penthouses und Immobilien im Finca-Stil, stehen moderne Neubauobjekte mit sehr guter Ausstattung bei Käufern hoch im Kurs. Wichtiges Kaufkriterium ist bei allen Objektarten eine attraktive Lage mit Blick aufs Meer oder die Berge. Wenn von der Lage über die Ausstattung bis hin zur Architektur alles stimmt, sei der Kaufpreis meist zweitrangig, berichten die Makler. Gute Grundstücke in den Toplagen Mallorcas werden allerdings zunehmend knapp. Denn rund 40 Prozent der Insel stehen unter Naturschutz. Hinzu kommen sehr strenge Bauvorschriften. Zahlreiche Steuervergünstigungen der spanischen Regierung insbesondere für ausländische Investoren geben dem Markt jedoch zusätzlichen Aufwind. Die anderen großen Maklerhäuser haben ebenfalls allen Grund zum Optimismus. Auf Mallorcas Nachbarinsel Ibiza boomt das Geschäft ebenfalls. Verkaufsschilder finden sich allenfalls an den unförmigen Betonburgen von Sant Antoni und am Hafen in Ibiza Stadt. Am Cap Martinet etwa werden die Traumvillen eher aus Altersgründen aufgegeben. Und dann entstehen auf engem Raum immer wieder neue Ferienanwesen mit einem atemberaubenden Panoramablick. Nachdem sich die Preise in den Toplagen Ibizas bereits 2013 um bis zu fünf Prozent verteuerten, kletterten sie im letzten Jahr nochmals um bis zu zehn Prozent. Neben den Preisen stiegen die Verkaufszahlen – um 15 Prozent. Dieser Trend setzt sich fort. Bereits in den ersten Wochen des laufenden Jahres wurden mehr Verkaufsabschlüsse als je zuvor in einem ersten Quartal in insgesamt 14 Jahren gezählt. Kunden, die eine günstige Luxusimmobilie auf Ibiza kaufen wollen, kommen zu spät. Großzügige Objekte mit hochwertiger Ausstattung und in Premiumlagen erreichen Preise im zweistelligen Millionenbereich. Selbst für eine 100 Quadratmeter große Wohnung in mittlerer Lage liegt die untere Preisgrenze inselweit bereits bei 280.000 Euro.

Quelle: Die Welt (WeltN24 GmbH 2015)